Sex – von Kopf bis Fuß

Sex ist für alle anders. Vier Personen haben andererseits mit Wörtern und Zeichnungen erzählt, wo und wie sie Sex fühlen. 

Alex, 28

Ich würde sagen: Sex hat Phasen. Am Anfang ist es ein Herausfinden, was man macht. Ganz klar zu kommunizieren, was man will, ist unromantisch. Da bin ich eher so neugierig und auch ein bisschen nervös.

Irgendwann klickt es voll und dann weiß man, was heute Sache ist, was den anderen heute gefällt. Dann ist es mehr Hingabe und irgendwie geht alles wie von alleine, so im Flow. Was ich fühle, ist sehr unterschiedlich, manchmal bin ich fast ehrgeizig oder ich fühle Druck, weil ich möchte, dass es für meine Partner:innen gut ist. Wenn es richtig gut passt, ist es so wie wenn man ohne Wecker in der Früh aufwacht und noch im Bett liegt. Unglaublich angenehm und alles passt.

Dann kommt der Orgasmus. Das spüre ich vor allem auf meinen primären Geschlechtsorganen aber auch am unteren Rücken. Da habe ich dann so eine Art shiver, so einen Schauer, aber nicht unangenehm. Deshalb habe ich Schlangenlinien gezeichnet, ich finde die symbolisieren das am besten.

Ich muss auch an das lachende Emoji mit der Schweißperle denken, denn es ist so bisschen ein Ringen, wie lange man es schafft. Ich frage mich auch, ob das wirklich gut so ist, vor allem wenn ich länger mit jemandem was am Laufen habe. Nach dieser Erleichterung und dem Sex bin ich dann sehr zufrieden. Das ist wichtig und gehört dazu.

Lina, 22

Ich habe meiner Figur einen roten Kopf gezeichnet, weil ich oft sehr verkopft bin, auch beim Sex. Ich denke darüber nach, was ich tue und wie ich das tue und ob es gut ist. Das möchte ich gern abstellen und davon wegkommen.

Meinen Bauch habe ich dunkellila angemalt, ich weiß nicht warum, aber es fühlt sich gut an, die Bauchregion ist irgendwie voller schöner, intimer Gefühle. Ich fühle mich verletztlich, es ist schön, aber auch scary. Es macht auch Angst.

Mit gelb habe ich so Glitzer auf die Schultern und den Nacken gezeichnet, das sind für mich sehr intime, erogene Zonen, bei denen sehr viel passiert. Das ist auch das erste, das sich verschließt, wenn ich mich nicht gut fühle. Bei Sex fühlt es sich aber auch da richtig toll an.

Beim Sex spielen für mich viele unterschiedliche Gefühle eine Rolle: Es geht auch um Bestätigung und Intimität. Sex ist eine extrem intime Form von Kommunikation mit anderen Personen. Dadurch, dass ich sehr lange nur queeren Sex gehabt habe, denke ich nicht so stark in Rollenbilder. Sex mit anderen Personen ist deshalb für mich vor allem Grenzen ausmachen und kommunizieren, jemandem vollkommen nah sein und gleichzeitig die eigene und anderen Grenzen zu wahren.

Erst seit kurzem hatte ich Hetero-Sex und das hat mir vor Augen geführt, wie wenig ich praktiziert habe. Bei meinen ersten sexuellen Erfahrungen, die alle queere Erfahrungen waren, war ich total unsicher. Ich habe vor allem daran gedacht, was von mir erwartet wird und hab meine eigenen Bedürfnisse sehr stark zurückgestellt. Sex war lange eine Leistungssache, es ging nicht immer darum, ob es sich wirklich gut anfühlt.

Alix, 20

Jetzt habe ich mehr Sex mit mir selbst und das ändert alles. Ich versuche jetzt schöne Erfahrungen mit mir selbst zu haben. 

Sex kann für mich sehr verschieden sein, ich denke nicht an einen Moment sondern eher an Personen, mit denen ich sexuelle Kontakte hatte oder habe.

Ich würde gerne vor allem über positive Erfahrungen sprechen und da habe ich jetzt nicht eine Person, wo es immer gut ist, weil Sex für mich nicht durchgehend etwas Schönes ist. Ich habe sexualisierte Gewalt erlebt und manche Sachen können traumatisierend sein für mich.

Bei Sex geht es für mich viel um Grenzen und um einen Dialog. Da sind auf jeden Fall sehr starke Gefühle dabei. Deshalb habe ich bei meiner Figur eine Grenze um mich herum gezeichnet und innerhalb dieser Grenze ist es warm und ich habe ein Herz gemalt und Funken und Lachen und Aufregung und Sicherheit. Es geht um Stärke, um Kontrolle über meinen Körper.

Laut – leise steht so um meinen Kopf. Leise sein steht eher für so intensive Momente und das laut sein da geht es darum Raum einzunehemen, zu seinen Gefühlen zu stehen. Das ist mir beides wichtig. Außerhalb dieser Grenze ist es sehr still, das soll zeigen, dass Grenzüberschreitungen irgendwie dazu führen, dass ich nichts fühle.

Manchmal weiß ich nicht genau, wo die Grenzen sind, das ist das Schwierige, weil ich ein Trauma habe. Aber: Bei jeder sexuellen Erfahrung lerne ich ein bisschen was Neues über mich.

Lena, 22

Sex war für mich am Anfang, bei meinem ersten Freund sehr unspektakulär und es hat sich fast nach einer Verpflichtung angefühlt. Erst jetzt bei meinem zweiten Freund fühlt es sich wirklich richtig an.

Für mich hat Sex viel mit dem Bauch und Genitalbereich zu tun aber betrifft schon den ganzen Körper. Ich habe auch etwas in meinen Kopf gezeichnet, weil Sex mich sehr entspannen und sehr meditativ sein kan. Ich denke da nur an die eine Sache.

Natürlich ist nicht jeder Sex gleich. Er kann mal eher entspannend und nett sein, aber auch sehr komisch, vor allem wenn man zu sehr im Kopf ist oder sich Druck macht. Schön ist es, wenn man den Kopf wirklich ausschaltet. Ich mache mir manchmal zu viel Druck, dass es der andere auch gut findet, es ist wichtig bei sich zu bleiben, damit es richtig schön ist. Es ist ja auch okay, dass man möchte, dass es für die andere Person gut ist, aber das kann halt zu viel werden.

Das Kuscheln danach ist am wichtigsten für mich. Kuscheln und umarmen mag ich fast noch lieber als den tatsächlichen Sex. Ich hatte auch erst vor recht kurzer Zeit wirklich einen Orgasmus.

Michael, 28

Essen, Schlafen und Nähe sind für mich Grundbedürfnisse und Sex ist eine intensive Form von Nähe.

Es geht um das Zusammenspiel von Kopf und Bauch und das Hauptsache, deshalb habe ich die Hände mit eingezeichnet und die Augen. Es geht natürlich stark um den Intimbereich aber gar nicht nur, es ist schon eine Erfahrung mit dem ganzen Körper. Mit gelb habe ich die erogenen Zonen bemalen. Mir wurde oft erzählt, dass das bei Frauen sehr kopfbezogen ist. Bei mir ist das gar nicht so.

Es hat sehr wenig mit denken zu tun, es ist sehr archaisch, so wie wenn du richtig Hunger hast, dann isst du was. Je nachdem wie stark ich Lust auf Sex habe, ist es mehr oder weniger intensiv. Es kann quasi sein, dass ich ein 5-Gänge-Menü esse und mir noch eine Serviette auf den Schoß lege oder ich habe so Hunger, dass ich nicht anders kann und ich stopfe mich mit Marshmallows voll und ich weiß es ist nicht gut für mich, aber fuck it i need the sugar!

Manchmal denke ich, ich habe mich unter Wert verkauft. Zum Beispiel wenn du mit einer Ex Sex hast und du willst von ihr eigentlich nichts mehr. Aber dann ist das eben dein Marshmallow und du hast das Gefühl, fuck, ich bin in die Falle getappt. Aber das ist eher danach. Währendessen finde ich Sex nur gut.


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Clara Porak

Clara Porak, geboren 1997, ist freie Journalistin in Wien. Sie studiert Bildungswissenschaften und Deutsche Philologie. Am liebsten recherchiert sie zu Themen im Zusammenhang mit Bildung, Umwelt und sozialer Gerechtigkeit.