In Leichter Sprache von Sandra Schmidhofer
Fotografiert von Zoe Opratko
In diesem Text geht es um Elke.
Elke hat Gewalt erlebt.
Sie wusste zuerst nicht,
wer ihr helfen kann.
Wer hilft Frauen mit Behinderungen,
die Gewalt erleben?
Elke geht nicht gerne alleine auf die Straße.
Elke hat draußen Angst.
Egal ob es Tag ist oder Nacht.
Elke ist eine Frau mit Behinderungen.
Elke lebt in Österreich.
Studien aus Deutschland und Österreich zeigen:
Frauen mit Behinderungen
erleben öfter sexualisierte Gewalt
als Frauen ohne Behinderungen.
Sexualisierte Gewalt ist zum Beispiel
Geküsst oder berührt werden,
obwohl man das nicht will.
Zum Sex gezwungen werden.
Wenn ein Mensch einen anderen Menschen
zum Sex zwingt,
sagt man dazu: Vergewaltigung.
Sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung sind verboten.
Elke erzählt:
Vor 40 Jahren hat ein Arbeits-Kollege sie vergewaltigt.
Zu wenig Hilfe
Für Frauen mit Behinderungen
gibt es in Österreich wenig Beratung
über Schutz vor Gewalt.
Nur wenige Beratungs-Stellen sind barrierefrei.
Expert*innen sagen:
Österreich macht zu wenig gegen
Gewalt an Frauen mit Behinderungen.
Der Verein Ninlil aus Wien ist auch
für Frauen mit Lern-Schwierigkeiten da.
Aber das ist selten.
Andere Vereine in Österreich sagen:
Sie können Frauen mit Lern-Schwierigkeiten
nicht so gut beraten.
Nur wenige Frauen erzählen von Gewalt.
Elke ist nach der Vergewaltigung
nicht zur Polizei gegangen.
Sie sagt:
Niemand hat die Vergewaltigung gesehen.
Niemand hat ihr geglaubt.
Auch als Kind hat sich Elke nicht sicher gefühlt.
Sie erzählt:
Erwachsene Männer sind ihr oft zu nahe gekommen.
Sie ist vor den Männern weggelaufen.
Elke hat niemandem davon erzählt.
Nur wenige Frauen erzählen von sexualisierter Gewalt.
Karin Dietz betreut Frauen,
die Gewalt erleben.
Sie sagt:
Polizei und Gerichte gehen nicht richtig
mit sexualisierter Gewalt um.
Nein sagen
Elke ist viele Jahre nach der Vergewaltigung
zum Verein Ninlil gegangen.
Dort können Frauen mit Lern-Schwierigkeiten auch Selbst-Verteidigung lernen.
An den Wänden hängen bunte Plakate.
Auf den Plakaten steht:
– Grenzen
– Frauen haben Rechte
– Nein
Lisa Udl leitet den Verein Ninlil.
Sie sagt:
Gewalt hat viele Ursachen.
Menschen mit Lern-Schwierigkeiten dürfen nur wenige Entscheidungen alleine treffen.
Das ist schlecht für die Selbst-Bestimmung.
Das macht mehr Gewalt möglich.

Lisa Udl sagt auch:
In der Schule soll es
mehr Aufklärung über Sex geben.
Wenn Menschen mehr
über Sexualität und Gewalt wissen,
kann das beim Schutz helfen.
Dann wissen Menschen,
dass sie selbst bestimmen und Nein sagen dürfen.
Elke heißt eigentlich anders.
Sie möchte ihren echten Namen geheim halten.