Illustriation: 2 Personen schwitzen über ihnen die Sonne. Hinter ihnen ein Wegweise, der Richtung Schatten, Wasser und Arzt zeigt

Schwere Arbeit für den Körper

1. August 2023

Hitzewellen nehmen zu, die steigenden Temperaturen sind schon jetzt eine Belastung für viele Menschen. Aber die Hitze trifft nicht alle Menschen gleich. Teil Zwei der andererseits-Serie: Mehr als nur schön warm.

Hitze ist sehr anstrengend.

Manchmal ist Hitze auch gefährlich.

Zum Beispiel:

für Menschen mit Behinderung

oder für kranke Menschen.

Im Text steht:

Darum ist Hitze für den Körper schwere Arbeit.

Darum ist Hitze manchmal gefährlich.

Und 3 Menschen erzählen im Text,

was ihnen bei Hitze passiert ist.

Hier findet Ihr den Text in Leichter Sprache.

Hitze bedeutet für unseren Körper vor allem Eines: Arbeit. Er versucht sich durch das Schwitzen zu kühlen, sodass die Körpertemperatur gleich bleibt. Schafft er das nicht, kann das schwerwiegende, für manche lebensbedrohliche, Folgen haben. Europaweit sind im vergangenen Jahr laut einer Studie des Institute for Global Health rund 60.000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben.

Der Hitzetod ist das tragische Ende eines Problems, das schon viel früher beginnt. Für gefährdete Gruppen wie Menschen mit Behinderungen oder Vorerkrankungen kann Hitze schon früh eine große Gefahr darstellen.

Für unsere Textreihe „Mehr als nur schön warm“ haben wir Euch, die andererseits-Community gefragt, welche Erfahrungen Ihr mit Hitze gemacht habt.

In acht Wochen haben mehr als 80 Menschen an unserer Umfrage teilgenommen. 

In Teil Eins dieser Reihe ging es um die Barrieren, die Hitze schaffen kann. 

Für diesen zweiten Teil haben die Autorinnen Mediziner*innen und Expert*innen gebeten, drei eurer Erfahrungen für uns einzuordnen.

Linda, 33: Hitzekollaps

“Ich hatte einer Freundin zugesagt, dass ich für eine Stunde auf ihr Baby aufpasse. Es war ein Sommertag in 2022. Ich wollte sie nicht hängen lassen und fuhr mit dem Auto hin. Auf dem Weg geriet ich in einen Stau, mitten auf einer Brücke. Ich hatte keine Klimaanlage, gemessene Temperatur am Auto: 43°C. Das wäre auch ohne Erkrankung schwierig gewesen, aber ich muss sagen, ich hätte beinahe den Notarzt gerufen. Ich hatte nach kurzer Zeit Probleme beim Atmen, mir wurde schwindelig und ich wurde zittrig. Ich dachte, ich werde gleich ohnmächtig. Ich habe hyperventiliert und hatte Schnappatmung. Ich war so überhitzt, dass ich wahrscheinlich schon am Rande eines Hitzekollaps war.”

Linda hat infolge einer Covid-Infektion im Mai 2022 das POTS entwickelt. Bei dieser Erkrankung steigt der Puls extrem an, wenn man aufsteht. Für das Herz ist es viel schwieriger, Blut durch den Körper zu pumpen. Die Folgen davon können Schwindel, Verwirrtheit, Kopfweh und sogar Ohnmacht sein. Wegen ihrer Vorerkrankung ist Hitze für Linda besonders gefährlich, ein Hitzekollaps wahrscheinlicher.

“Beim Hitzekollaps sinkt der Blutdruck ab und es wird einem plötzlich schwarz vor den Augen“, erklärt Hans-Peter Hutter. Er forscht an der medizinischen Universität in Wien im Bereich Umweltmedizin. “Die Gefahr von Hitze wird oft unterschätzt.”

Oft strengen sich Menschen zu sehr in der Hitze an, sind zu lange dem Sonnenlicht ausgesetzt oder haben zu wenig getrunken. Häufig passiert das alles gemeinsam. Wozu es in Folge auch kommen kann, ist der Sonnenstich. Kopfschmerzen, Übelkeit und Benommenheit sind typische Symptome. In beiden Fällen hilft vor allem Flüssigkeit und Ruhe.

Findet man das nicht, kann es zu einem Hitzschlag kommen. “Der Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall”, erklärt Rettungssanitäter Andreas Lachner-Zenker vom Roten Kreuz Wien. In diesem Fall könne die Körpertemperatur auf über 40°C steigen. Das ist lebensgefährlich. Ein klassischer Hitzschlag passiert vor allem bei sehr heißem Wetter. Symptome dafür sind eine trockene und rote Haut. Der Person ist dann vielleicht übel, sie ist verwirrt und bekommt Krampfanfälle oder wird bewusstlos.

Jonas, 16: Medikamente verändern ihre Wirkung

“Vor ein paar Jahren war ich mal an der Donau mit meinem Vater schwimmen. Da war ich dann sehr lange in der Sonne im Wasser. Als wir danach in ein Restaurant gehen wollten, war mir auf einmal schwindelig. Dann haben wir dort nicht mehr essen können und ich musste mich in den Schatten legen und ausruhen. Ich habe meine Tabletten nachgenommen, um mich wieder zu stabilisieren. Seither weiß ich auch, dass Hitze mehr Stress bedeutet und ich deswegen mit mehr Tabletten vorsorgen muss. Darüber hatte uns aber kein Arzt aufgeklärt.”

Jonas nimmt Tabletten, weil er eine Hypophysen-Insuffizienz hat. Das heißt, dass sein Körper weniger Hormone ausschüttet. Ohne Medikamente würde sein Körper schlapp machen.

Denn Hitze bedeutet für den Körper Stress. In Jonas Fall ist es zusätzlicher Stress. Daher muss er mehr Tabletten als sonst nehmen, damit sein Körper immer mit genügend Hormonen versorgt ist.

Medikamente können bei Hitze anders oder auch gar nicht mehr funktionieren, erklärt Hans-Peter Hutter: “Die Hitze kann verändern, wie Medikamente vom Körper aufgenommen, verteilt, verarbeitet und abgegeben werden”. Ein Beispiel: Eine Person, die harntreibende Medikamente wegen einer Herz-Schwäche nimmt und dann auch noch schwitzt, verliert zusätzlich Wasser. Oft ist das Problem dann nicht, dass Menschen zu wenig trinken. Das Problem ist, dass die Menge der Tabletten, die sie nehmen, nicht an die Hitze angepasst wurde.

Rettungssanitäterin Mirijam Marschner vom Arbeiter-Samariter Bund ist in ihrem Arbeitsalltag noch etwas aufgefallen: „Manche Menschen nehmen im Sommer ihre Medikamente für die Psyche wegen der Hitze nicht. Denn durch manche Psycho-Pharmaka wird Menschen heißer als normal”.

Lukas, 25: Zu wenig Wasser

“Im Sommer 2021 wurde ich angerufen: Mein Großvater war nicht mehr ansprechbar. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Körper war dehydriert. Zum Glück konnten ihm Infusionen helfen. Aber gerade für ältere Personen ist Hitze Gift. Seitdem haben wir mehr darauf geachtet, dass er genügend trinkt.”

Mit einer solchen Diagnose ist Lukas Opa nicht alleine, sagt Helga Kromp-Kolb. Sie arbeitet als Klimaforscherin an der Universität für Bodenkultur Wien. Wasser-Mangel im Körper kommt bei älteren Menschen häufig vor. “Ältere Menschen und zum Teil auch kranke Menschen spüren nicht so sehr, dass sie Durst haben. Deswegen bemerken viele nicht, dass sie das Wasser nachfüllen müssen, das sie verschwitzen”.

Es gibt auch Menschen, die absichtlich weniger trinken. Wenn sie Medikamente nehmen, wegen denen sie schneller aufs Klo müssen. Zu wenig Flüssigkeit im Körper ist aber gefährlich. Die Folgen können zahlreich sein: Fieber, Schwindel, Muskelkrämpfe und eine größere Gefahr zu stürzen. Denn der Körper wird schwächer, wenn er nicht genug Wasser hat.

Eine Lösung könnte Nachbarschaftshilfe sein, sagt Rettungssanitäter Lachner-Zenker: “Wenn man weiß, dass in der Wohnung nebenan vielleicht eine alte Frau oder ein alter Mann wohnt, kann man bei Hitze auch mal anklopfen und fragen, ob man etwas zu trinken bringen darf”.

Kann der Körper lernen, mit Hitze umzugehen?

Die Geschichten von Linda, Jonas und Lukas’ Opa zeigen: Hitze ist gefährlich, besonders für vorbelastete Menschen. Eine Studie des Kompetenzzentrums Klima und Gesundheit aus dem Jahr 2022 zeigt, dass es in den wärmeren Jahren 2003, 2012, 2013 und 2015 mehr Krankenhaus-Aufenthalte wegen direkter Hitzefolgen gab.

Doch im Jahr 2019, dem zweitwärmsten Sommer seit Beginn der Messungen, gab es nicht so viele Krankenhaus-Aufenthalte wie man erwarten würde. Obwohl der damalige Sommer heißer war als im Jahr 2015.

Kann sich der Mensch also an die Hitze anpassen?

Eine Studie der Universität Wien erklärt: Es kann sein, dass die Menschen sich an die Temperaturen angepasst haben. Aber ganz so eindeutig ist es nicht. Die Autor*innen machen darauf aufmerksam, dass vulnerable Gruppen sich schwerer anpassen können als andere. Diese Menschen seien nach wie vor stärker gefährdet. Es sei nämlich auch möglich, dass die Zahl an gefährdeten Personen im Jahr 2015 noch größer war. Und es 2019 daher weniger Menschen gab, die wegen der Hitze sterben konnten. Die Forschenden fordern deshalb: „Weitere Forschungsarbeiten, die sich auf gefährdete Gruppen konzentrieren, sollten gefördert werden.“

Redaktion: Lisa Kreutzer, Clara Porak

Lektorat: Claudia Burnar

Illustration Lisa-Marie Lehner

Übersetzung in Leichte Sprache: Constanze Busch

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